Tabaksteuer Golf 2026: Was auf Shisha-Cafés zukommt

Von Sara Al-Rashid | Die Gleichung war lange einfach: Eine Shisha kostet im Café zwischen 40 und 80 Dirham, der Tabakanteil an den Betriebskosten blieb überschaubar, und die Marge stimmte. Dieses Modell gerät seit 2022 unter Druck, und 2026 könnte die Branche an einen Wendepunkt stoßen, der strukturelle Konsequenzen hat.

Die steuerliche Ausgangslage im Überblick

Seit Oktober 2017 erhebt die Vereinigten Arabischen Emirate eine Verbrauchsteuer von 100 Prozent auf Tabakwaren. Saudi-Arabien folgte mit demselben Satz und ergänzte ihn 2020 um spezifische Mengensteuern auf Wasserpfeifentabak. Was zunächst wie ein pauschaler Aufschlag wirkte, entfaltet seine volle Wirkung erst jetzt, da die Behörden die Erhebung konsequenter durchsetzen und die Steuerbemessungsgrundlagen präzisiert wurden.

In den VAE hat die Federal Tax Authority klargestellt, dass vorgemischte Shisha-Tabake, Fruchtmolasse und nikotinfreie Alternativen auf pflanzlicher Basis unterschiedlich bewertet werden. Nikotinhaltige Produkte unterliegen dem vollen Satz, nikotinfreie Varianten wurden ab 2023 in eine eigene Kategorie mit 50 Prozent Steuer eingestuft. Für Cafébetreiber bedeutet das: Selbst der Wechsel auf “gesündere” Produkte bringt keine vollständige Steuerentlastung mehr.

Was 2026 konkret neu kommt

Saudi-Arabien plant nach Angaben der Zakat, Tax and Customs Authority (ZATCA) eine Anpassung der Steuersätze auf Einzelhandelsebene. Bisher orientierte sich die Steuer am Einkaufspreis des Importeurs. Künftig soll der Endverbraucherpreis als Basis dienen, was bei typischen Handelsspannen eine effektive Steuererhöhung von 15 bis 25 Prozent bedeutet, ohne dass die Nominalrate steigt. Dieses Verfahren kennt man aus der europäischen Tabakbesteuerung und gilt als wirksames Instrument zur Ertragsoptimierung für den Fiskus.

In den VAE läuft parallel eine Überprüfung der Lizenzbedingungen für Shisha-Lokale. Das Gesundheitsministerium hat 2024 neue Auflagen für Raumlüftung und Passivrauchdokumentation veröffentlicht. Betriebe, die bis Ende 2025 nicht nachrüsten, riskieren Lizenzentzug. Die Investitionskosten für konforme Lüftungssysteme liegen je nach Raumgröße zwischen 80.000 und 250.000 Dirham, eine Summe, die kleinen Cafébetreibern echte Probleme bereitet.

Shisha-Kultur zwischen Tradition und Regulierungsdruck

Die Wasserpfeife ist im arabischen Raum kein Nischenprodukt. Sie ist sozialer Kitt, Gastgewerbeformat und Touristenmagnet zugleich. Dubais Shisha-Café-Dichte in Stadtteilen wie Deira oder Al Quoz ist europäischen Beobachtern kaum vermittelbar: Auf manchen Straßen folgt ein Lokal dem nächsten. Dieser Markt ist nicht homogen. Er reicht vom einfachen Stadtteilcafé mit Plastikstühlen bis zum designten Rooftop-Lokal in einem Fünfsternehotel, wo eine Session 400 Dirham kostet und die Steuerbelastung als Preisbestandteil problemlos weitergereicht werden kann.

Das Problem sitzt im mittleren Segment. Cafés, die pro Kopf 80 bis 150 Dirham verlangen, können Steuererhöhungen nicht vollständig überwälzen, ohne Stammkunden zu verlieren. Wer täglich kommt, kalkuliert genau. Die Marktbeobachter der Weltgesundheitsorganisation weisen darauf hin, dass Preiselastizität bei Shisha-Konsum höher ist als bei Zigaretten, weil der soziale Kontext leichter substituierbar ist: Eine Gruppe Freunde trifft sich eben woanders, wenn das Stammcafé zu teuer wird.

Reaktionen der Branche

Wer die Branche in den letzten zwölf Monaten beobachtet hat, stellt eine Konsolidierungsbewegung fest. Kleinere Betreiber schließen oder fusionieren. Größere Ketten wie bekannte libanesische Restaurantgruppen in Dubai investieren in Eigenimporte, um Einkaufspreise zu drücken. Und auf der Produktseite wächst das Interesse an steuerlich günstigeren Kategorien.

Dieser Trend war auf internationaler Ebene bereits gut dokumentiert, bevor er den Golfmarkt erreichte. Die Highlights der Shisha-Messe 2025 zeigten, dass Hersteller weltweit verstärkt auf nikotinreduzierte Tabake und Dampfalternativen setzen, nicht aus gesundheitlichen Überzeugungen allein, sondern weil die Steuersystematik in immer mehr Märkten danach differenziert.

Auswirkungen auf das Gastgewerbe und Tourismussektor

Dubai empfing 2024 rund 17,2 Millionen internationale Übernachtungsgäste. Shisha-Erlebnisse gehören für viele Besucher aus Europa, Russland und Südostasien zum Reiseprogramm. Hotels, die entsprechende Lounges betreiben, kalkulieren den Rückgang bei einem Preisanstieg um 20 Prozent auf etwa 8 bis 12 Prozent weniger Nutzung, was bei einem durchschnittlichen Monatsumsatz von 150.000 Dirham je Lounge einen spürbaren Einschnitt bedeutet.

Saudi-Arabien steht vor einer anderen Konstellation. Das Königreich öffnet sich touristisch erst, die Shisha-Kultur ist lokal tief verwurzelt, aber die Vision-2030-Agenda setzt gleichzeitig auf internationale Gesundheitsstandards. Der Zielkonflikt zwischen Tourismusförderung und Tabakregulierung ist im Finanzministerium in Riad gut bekannt und wird intern als “Priorisierungsfrage” behandelt, wie informierte Kreise berichten.

Überblick: Steuerliche Unterschiede VAE vs. Saudi-Arabien 2026

Kriterium VAE Saudi-Arabien
Steuersatz nikotinhaltiger Tabak 100 % 100 %
Steuersatz nikotinfreie Alternativen 50 % 100 %
Bemessungsgrundlage ab 2026 Importpreis Endverbraucherpreis (geplant)
Zusätzliche Betriebsauflagen Lüftungsnorm, Passivrauchdoku Lizenzgebühren für Shisha-Lokale

Was Betreiber jetzt tun sollten

Konkrete Handlungsempfehlungen hängen vom Betriebstyp ab, aber einige Maßnahmen gelten übergreifend. Erstens lohnt die Prüfung, ob verwendete Produkte korrekt klassifiziert sind. Falschklassifikationen wurden in den VAE zuletzt mit empfindlichen Nachforderungen geahndet. Zweitens sollten Betreiber Rücklagen für Compliance-Investitionen einplanen, insbesondere für Lüftungsanlagen in den VAE. Drittens ist die Sortimentspolitik zu überdenken: Nikotinärmere Produkte reduzieren nicht nur steuerliche Risiken, sondern sprechen auch gesundheitsbewusstere Gäste an.

Wer sich über regulatorische Grundlagen informieren möchte, findet bei der Weltgesundheitsorganisation umfangreiche Vergleichsdaten zur Tabakbesteuerung in Schwellenländern und deren Auswirkungen auf den Konsum, ein nützlicher Referenzrahmen für Betreiber, die Argumente für Preisanpassungen vor ihren Investoren rechtfertigen müssen.

Der Golfmarkt bleibt ein bedeutender Shisha-Markt, daran ändert auch die Regulierung nichts. Aber die Ära, in der man dieses Geschäft ohne steuerliche Expertise betreiben konnte, ist vorbei. Wer 2026 noch profitabel arbeiten will, braucht strukturierteres Finanzmanagement als zuvor.

About Sara Al-Rashid

Correspondent

Sara Al-Rashid is Senior Markets Editor at Gulf Business Journal, covering GCC capital markets, banking and financial regulation with over 12 years of experience. A CFA charterholder, she previously reported for Bloomberg and The National.